Die Gesellschaft will sich gegen zu viel und vermeidbaren Lärm schützen. Alle Arten von Fahrzeugen mit einem Verbrennungsmotor machen einen grossen Anteil des Lärms aus, der uns täglich quält. Derzeit diskutieren wir über Fahrverbote für Fahrzeuge, die 95 dB im Stand überschreiten. Ist uns bewusst, wie laut 95 dB sind?

In meinem Blog-Post “Wie wir verführt werden, Motorenlärm zu lieben“, hatte ich dargestellt, wieso viele von uns von lauten Verbrenner-Fahrzeugen begeistert sind. Ich kann das gut nachvollziehen: Obwohl ich es persönlich lieber leise mag, empfand ich früher, im Gegensatz zu den hohen “MiMiMi”-Geräuschen der Formel-1, ein Rennen der NASCAR mit 40 tiefbrummenden V8-Fahrzeugen als “geil”.

Der Lärm, der bei einem solchen Rennen erzeugt wird, ist selbstverständlich viel höher als im normalen Leben. Das liegt unter Anderem daran, dass im Rennen keine Schalldämpfer verwendet werden. Für das normale Leben haben wir Schalldämpfer vorgeschrieben. Es gibt viele Fahrzeuge, die trotz eines grossen Verbrennungsmotors, nur wenig Lärm erzeugen, während ein ähnlicher Motor in einem anderen Fahrzeugmodell viel Lärm erzeugt. Wie ist das möglich? Das schafft das “Klangdesign”. Damit holen die Hersteller den maximal gewünschten und erlaubten Lärm aus dem Auspuff. Darüber hinaus gibt es Anbieter, die holen noch mehr raus. Lärm als Produkt.

Das Standgeräusch

Das Standgeräusch versucht bestmöglich den durchschnittlichen Lärm im Stand nachzustellen. Bei einem solchen Test werden z.B. bei einem Töff 75% der Drehzahl bei einer Nenndrehzahl kleiner als 5000 Umdrehungen pro Minute bzw. 50% der Drehzahl bei einer Nenndrehzahl grösser als 7500 Umdrehungen pro Minute zu Grunde gelegt.

Jetzt diskutieren wir über 95 dB Standgeräusch. Dieser Wert ist trügerisch, denn während der Fahrt darf dieser Wert überschritten werden. Oder die fahrzeugführende Person fährt absichtlich hochtourig in einem niederen Gang.

Wie laut sind 95 dB?

Um 95 dB einschätzen zu können, vergleichen wir hier andere Lärmquellen. Ein Tumbler erzeugt 80 dB, ein durchschnittliches Verbrenner-Auto liegt ebenfalls bei 80 dB.

Ein Rasenmäher liegt bei 85 bis 90 dB. Wenn mein Nachbarn seinen Verbrenner-Rasenmäher anwirft, dann ist es höllisch laut, sodass ein Gespräch in der Nähe der Lärmquelle nicht mehr möglich ist.

Ein Traktor erzeugt 95 bis 100 dB. Gesundheitsbewusste, landwirtschaftlich arbeitende Personen tragen während der Nutzung Gehörschutz oder sitzen in einer geräuschisolierten Kabine.

Ein Zug erzeugt 100 dB bei der Vorbeifahrt, ein Flugzeug 105 dB. Das ist höllisch laut!

Wieso reden wir über Fahrverbote ab 95 dB?

In Anbetracht des gesundheitsproblematischen Lärms, den 95 dB somit darstellen, frage ich mich, wie wir uns ernsthaft über Fahrverbote oberhalb von 95 dB Standgeräusch unterhalten können. Der Wert muss deutlich weiter unten liegen.

Lärmminderung ist technisch machbar! Da laut Gesetz jeglicher vermeidbarer Lärm illegal ist, sollten wir Hersteller und deren Ingenieure sowie die Nutzer dazu zwingen, den Lärm ihrer Fahrzeuge zu minimieren anstelle diesen gesetzeskonform zu maximieren.

Beginnen wir sofort! Setzen wir 80 dB Standgeräusch ab 2022 als Obergrenze an und reduzieren diese Obergrenze jährlich um 5 dB nach unten. Dies sollte nicht nur für Neuimmatrikulationen, sondern für jegliche Verbrenner-Fahrzeuge gelten. Allfällige Umbauten gehen zu Lasten der jeweiligen Eigentümer.

So leise wie ein Elektroauto werden Verbrenner-Fahrzeuge allerdings nie werden. Die Standgeräusche eines Elektroautos oder eines Elektrotöffs liegen bei 0 dB.


Foto von @chairulfajar_ bei Unsplash.

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