Wir sehen sie immer häufiger: die Parkuhren, an denen wir mit dem Smartphone bezahlen können. Sie werden uns schmackhaft gemacht, weil wir keine passenden Münzen mehr parat haben müssen. Können wir hier von einer Verbesserung für uns reden?

Früher hatten wir Parkuhren mit einem leichten Ablauf:

  1. Parkfeldnummer merken
  2. Zur Säule im Sichtbereich gehen
  3. Parkfeldnummer eingeben
  4. Münzen einwerfen

Mehr nicht. Wir mussten nicht zurück zum Auto. Wir mussten am Ende der Parkdauer nichts machen. Stattdessen gingen wir zum Auto und fuhren los.

Ich empfand diesen Ablauf gut und ausreichend. Obschon ich mich des Öfteren geärgert habe, dass ich nicht die passenden Münzen parat hatte und zu viel Geld einwerfen musste. Deswegen habe ich mich aber nicht beschwert.

Wieso wurde das nicht-vorhandene Problem nicht durch Contactless-Karten gelöst?

Dies hätte man aber lösen können, in dem ich mit einer der vielen Karten bezahlen könnte, die ich in meinem Portemonnaie trage: Der Maestro/Debitkarte des Bankinstitutes meiner Wahl oder einer der Kreditkarten. Und wenn, dann bitte “contactless”. Damit wäre das einzige, wirkliche Problem mit den Parkuhren gelöst gewesen!

Prozess bei den neuen Uhren

Jetzt verbreiten sich die neuen Parkuhren. Schauen wir uns den Prozess an, den wir Parkierenden in Zukunft durchlaufen sollen:

  1. Säule finden, denn eine neue Säule kann einen grössere Menge an Parkfeldern überwachen
  2. Kontrollschild erfassen, um die Parkdauer zu beginnen
  3. Münzen einwerfen
  4. Ab jetzt läuft die Zeit

Das fehlende-Münzen-Problem wurde nicht gelöst. Stattdessen muss ich noch mein Kontrollschild erfassen. Diesen Ablauf müssen wir an einem kleinen Tastenfeld und kleinem Display, das eventuell durch die Sonne geblendet ist, in gebückter Haltung durchführen. Ich spüre die kommenden Rückenschmerzen.

Wie läuft die Kontrolle ab?

Bei den alten Parkuhren ging eine kontrollierende Person zur Parkuhr und prüfte am Gerät, welches Parkfeld nicht bezahlt ist, und vergab bei Zuwiderhandlung eine entsprechende Note. Solange wir unsere Parkdauer bezahlt hatten, verlief das Parkieren anonym.

Bei den neuen Parkuhren muss die kontrollierende Person nicht zur Parkuhr. Ob der Parkvorgang eines Fahrzeugs bezahlt ist oder nicht, kann sie in einem mobilen Gerät erkennen. Woran? An dem Kontrollschild. Sie scannt jedes Kontrollschild bei ihrem Rundgang ein, und das Gerät meldet dann allfällige Falschparker.

Da überkommt mich ein gewisses Unwohlsein, wenn ich die Datenschutzprobleme betrachte.

Wie ist denn das mit dem Datenschutz?

Mich zuckt es, wenn ich ein identifizierendes Merkmal öffentlich erfassen muss. Wir können glauben, dass die Daten zum Zwecke und zur Dauer des Parkvorgangs gespeichert und anschliessend sofort gelöscht werden. Da es sich aber um private Unternehmen handelt, die die Gebühren verarbeiten, müssten diese die Daten aus gesetzlichen Gründen nicht 10 Jahre aufbewahren? Könnten sie mit Hilfe dieser Daten gute Bewegungsprofile über uns anlegen?

Muss ich mein Kontrollschild erfassen?

Will ich bei jedem Parkvorgang mein Kontrollschild erfassen müssen? Nein, das will ich nicht. Dafür haben wir unser Smartphone, das wir überall mit hinnehmen. Der Ablauf wird dadurch aber nicht leichter:

  1. Smartphone suchen
  2. Smartphone entsperren
  3. Passende App finden
  4. Ort lokalisieren (mit GPS-Tracking, sonst manuell)
  5. Kontrollschild eingeben
  6. Parkvorgang initiieren
  7. Ab jetzt läuft die Zeit
  8. Parkvorgang beenden, um die Parkdauer zu beenden

Ich kann das Kontrollschild in der App erfassen, damit ich dieses nicht bei jedem Parkvorgang eingeben muss. Trotzdem, der Ablauf wird nicht leichter. Da es alleine in der Schweiz mindestens drei Dienste für die neuen Parkuhren gibt, muss ich alle drei Apps installieren und auf allen drei mein Kontrollschild oder Kontrollschilder hinterlegen. Bei Mietwagen genauso. Bei wechselnden Firmenwagen auch.

Was machen ausländische Touristen?

Wie erfassen ausländische Touristen ihr Kontrollschild, wenn sie die passende App nicht installiert haben? Mit Landeskennzeichen und mit allfälligen Bindestrichen?

Was machen ältere Mitbürger?

Ich trete den Senioren hoffentlich nicht zu nahe, aber überfordern wir sie nicht?

Wie beende ich ein Parkvorgang, wenn der Akku leer ist?

Wenn ich den Parkvorgang mit dem Smartphone gestartet habe, dann muss ich diesen auch mit dem Smartphone beenden. Mir ist es aber schon vorgekommen, dass der Akku meines Smartphones sich entleert hat. Wie kann ich den Vorgang dann beenden?

Ging es bei den neuen Parkuhren um die Lösung eines unserer Probleme?

Dürfen wir vermuten, dass es nicht um die Lösung des Problems “Fehlende Münzen” ging? Worum ging es denn? Ging es darum, dass wir die Restparkdauer von einem Vorparkierer genutzt und damit keine Münzen eingeworfen haben? Ging es um die Bewegungsprofile?

Werde ich alt, wenn ich behaupte, “Früher war alles besser”?


Photo by Hafidh Satyanto on Unsplash.

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