Warum eine “geringe” Reichweite in einem Tesla keine Rolle spielt

Ich werde häufig fragend angeschaut, wenn ich sage, dass mein Model S 70D „nur“ eine Reichweite von 350 km hat, selbst wenn die Batterie voll geladen ist. „Dann musst Du viel zu häufig stoppen und laden, das kostet doch bestimmt Zeit. Ich brauche eine Reichweite, mit der ich 1’000 Kilometer durchfahren kann!“

Ist diesen Autofahrern bewusst, dass von Zürich aus gesehen, nach 1’000 km oder 9 Stunden Fahrzeit zum Beispiel London, Flensburg, Breslau, Budapest, Neapel, Barcelona oder der Golf von Biskaya erreicht werden kann, dass es Hunderte von Tankstellen auf dem jeweiligen Weg gibt? Genau und objektiv betrachtet, fährt auch niemand 1’000 Kilometer ohne Pausen. Biologisch ist das gar nicht möglich. Der Grund für den Wunsch nach Reichweite liegt vermutlich in dem Wissen darum, dass ein Tankstopp mit einem fossilen Auto viel sinnlose Zeit kostet.

Dass die „geringere“ Reichweite eines Elektroautos keinen Zeitverlust bedeutet, und eine Reise mit einem Elektroauto sogar schneller als mit einem fossilen Auto sein kann, zeige ich anhand einer Reise über 750 km von Zürich nach Osnabrück auf.

Die rechnerische Fahrzeit für diese Strecke beträgt zwischen 7.5 und 8.5 Stunden, aber die meisten Fahrer vergessen die notwendigen biologischen Pausen und vielen Baustellen, die ihre tatsächliche Fahrzeit wesentlich verlängern.

Hinfahrt

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Kaffee und Tee fuhren wir mit voller Batterie los. In Schaffhausen machten wir einen ersten WC-Stopp am dortigen Supercharger, der an einem kleinen Hotel direkt neben der Autobahn liegt. Während wir das WC aufsuchten, luden wir die Batterie nach. Ohne zu warten, fuhren wir weiter.

Weiter ging es in Richtung Stuttgart. In Sulz-Vöhringen legten wir auf einem Autohof einen weiteren WC-Stopp ein. Die Zeit nutzten wir ebenfalls, um die Batterie am dortigen Supercharger nachzuladen. Ohne zu warten, fuhren wir weiter.

Den Supercharger in Leonberg liessen wir aus und fuhren direkt nach Bad Rappenau, wo wir einen längeren Halt auf dem dortigen Autohof eingeplant hatten. Denn es war Mittag, und wir hatten Hunger. Als das Model S bereits wieder voll geladen war, bezahlten wir gerade und konnten ohne Wartezeit weiterfahren.

In Hirschberg machten wir einen WC-Stopp und nutzten die Zeit zum Nachladen der Batterie am Supercharger. Da die nächste Etappe relativ lang sein würde, nutzten wir die Zeit, um unsere Füsse 10 Minuten zu vertreten. Schliesslich waren wir bereits 5 Stunden unterwegs und etwas Bewegung ist da notwendig.

Die nächste Etappe brachte uns bis nach Wilnsdorf im Sauerland, wo wir ein frühes Nachtessen zu uns nahmen. Als das Model S bereits wieder voll geladen war, bezahlten wir gerade und konnten ohne Wartezeit weiterfahren. Am Supercharger in Unna machten wir wieder einen WC-Stopp und nutzten die Zeit zum Nachladen der Batterie.

Bis dorthin fuhren wir 130km/h, ausser wo dies nicht erlaubt war. Den Rest der Strecke fuhren wir mit 150 km/h und waren nach 10.5 Stunden mit einer Restladung von 25% (85 km) im Hotel. Da das Hotel über eine Ladestation verfügt, konnten wir am nächsten Morgen sicher sein, dass die Batterie über Nacht aufgeladen ist.

Rückfahrt

Die Rückfahrt ein paar Tage später verlief ähnlich: Ein kurzer WC-Stopp in Unna, ein langes Mittagessen in Wilnsdorf, ein kurzer WC-Stopp in Hirschberg, ein langer Halt in Achern und ein kurzer WC-Stopp in Pratteln.

Wir sind durchgehend 130km/h gefahren, wo dies erlaubt war. So haben wir die Strecke in 9.5 Stunden bewältigt, deutscher “Fahrspass” inklusive: Rasen. Zwischen Frankfurt und Darmstadt sind wir auch 180 km/h schnell gefahren, aber ohne die Welt mit Abgasen zu verpesten.

Fazit

Obwohl wir etliche Stopps eingelegt haben, mussten wir fast nie auf das Auto warten, wie man es von fossilen Autos kennt: Ein Tankstopp mit einem fossilen Auto dauert 10 Minuten. Erst danach kommt der Gang zum WC, also noch einmal 10 Minuten. Aber, Warten beim Tanken oder Warten an der Kasse gibt es mit einem Elektroauto, insbesondere mit einem der Marke Tesla, nicht.

Wer mit einem Benziner schon einmal schneller als 130 oder gar 180 km/h gefahren ist, weiss, dass der Verbrauch exponentiell in die Höhe schnellt. Schnell liegt der Verbrauch dann bei 15 Liter / 100 km und mehr. Und das bedeutet Eines: Tanken! Der Diesel ist leider auch keine Lösung: seit den Skandalen sollte Jedem bewusst geworden sein, dass der Dieselmotor am Ende seines Produktlebenszyklus angekommen ist.

Zugegeben, wir mussten in Achern nach dem WC-Stopp 20 Minuten warten, weil die Karte des dortigen Restaurants nicht eine vegetarische Speise auf der Karte hat. Hunger hätten wir gehabt, aber MacDonald’s ist eben auch keine Lösung. Gäbe es noch einen Supercharger bei Freiburg, hätten wir die 20 Minuten gar nicht warten müssen, sondern wären direkt weitergefahren.

Das besondere an einem Tesla ist jedoch, dass man auf der Autobahn nicht selber fahren muss. Das Auto nimmt dem Fahrer neben dem Halten der Geschwindigkeit auch das Lenken und die Abstandskontrolle ab. Hierdurch fährt man viel entspannter und entkrampfter. Dies ist gut bei Trockenheit, aber um so wichtiger bei schlechter Sicht. Die Nacken- und Oberarmmuskulatur verkrampft sich nicht, das Hirn muss nur kontrollieren, und man kommt selbst nach 10 Stunden Fahrzeit wirklich entspannt am Ziel an.

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