“Wir halten die Corona-Richtlinien ein.” Mit diesem Satz fühlen sich scheinbar so manche Betreiber von Bergbahnen im Recht, so weiter zu machen, wie bisher. Ein paar Verhaltensschilder hier, ein paar Desinfektionsspender dort, und ganz viel Eigenverantwortung. Aber reicht das?

Ich sehe schwarz für die kommende Wintersaison. Die Skigebiets- und Liftbetreiber hätten die Chance, jetzt Corona-Konzepte zu testen, aber unser erster Sommerausflug auf das Jungfraujoch hat mir gezeigt, dass die Betreiber scheinbar ‚Business As Usual‘ machen, anstatt ihre Prozesse an die Gegebenheiten anzupassen und diese vor dem richtig grossen Ansturm zu testen.

  1. Keine Zugangskontrolle bei den Bahnen: Wer mit will, der darf rein.
  2. „Bitte weiter gehen und aufschliessen!“ und bloss keine Abstände einhalten. Und so steht man dann in einer dichtgedrängten Menschenmasse, die auf den nächsten Zug wartet.
  3. Im Restaurant wird die gleiche Anzahl an Tischen bedient, wie vor Corona. Es werden auch wildfremde Menschen an einen Tisch zusammengepfercht: Lieber, der Kunde sagt selber „Nein“, als dass der Betreiber ihn länger als nötig warten lassen muss.
  4. Im Restaurant wird das Brot wie früher offen auf einer Anrichte neben dem Eingang zum WC stehen gelassen. Wohl damit möglichst Viele darauf husten können.

Das Leben soll scheinbar weitergehen. Auch dann, wenn es kürzer wird als erhofft. Wenn man die Gäste im Restaurant beobachtet, dann sieht man sie dort unbekümmert ohne Mund-Nase-Schutz (MNS) stundenlang sitzen.

Das Dumme: Man kann sich gar nicht selber schützen. Es gibt immer Deppen, die keine 30 Sekunden auf den nächsten Lift warten können und sich auch noch rasch hinein quetschen. Und dann steht man da in einem kleinen, unbelüfteten Raum, als gäbe es keine Pandemie.

Solange das einzige Konzept der Betreiber das Tragen von Masken oder das Dokumentieren von persönlichen Daten im Restaurant ist, fühlt sich das eher an, als dass wir auf Ansteckungen reagieren, anstelle Ansteckungen bestmöglich versuchen zu vermeiden. Contact Tracing verhindert keine Ansteckungen, es dokumentiert zuerst einmal nur die Spur der Verwüstung.

Eigenverantwortung ist somit die Verantwortung zum Schutz seiner selbst. Vielleicht dient dies ja der persönlichen Emanzipation hin zu einem gestärkten Selbstbewusstsein, dass man nicht alles mit sich machen lassen muss. Und der einzige Schutz seiner selbst ist der Verzicht.

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